57-5 Quebec

Braukunst in Québec

Hopfen, Ahorn & Herzblut – Québecs Mikrobrauereien erobern die Welt

Fotos: Gaelle Leroye

Nicht nur in München und beim Oktoberfest klirren die Bierkrüge. Auch in Québec dreht sich alles um Hopfen, Malz und handwerklicher Braukunst. Québec hat sich mittlerweile zu einer Hochburg für Bierfeste entwickelt. Das „Mondial de la Bière“ in Montréal zieht jährlich Zehntausende Besucher an, ebenso wie das „Bières et Saveurs“ in Chambly. 


Kanada mag auf den ersten Blick für Ahornsirup, Eishockey und unberührte Natur stehen – doch Québec besitzt eine fast 350 Jahre alte Biertradition. Bereits 1650 wurde die erste Brauerei in Quebec und gleichzeitig Kanadas gegründet, was die lange Geschichte des Bierbrauens in der Region unterstreicht. Trotz Rückschlägen durch Prohibition und Monopolisierung hat sich Québec in den letzten Jahrzehnten zu einem Zentrum der Craft-Beer-Kultur entwickelt. Heute gibt es in der Provinz mehr als 300 Mikrobrauereien, die zusammen über 3.000 verschiedene Biersorten anbieten. Das bekannte Bière à l’épinette, das Fichtenbier, wurde ursprünglich zur Vorbeugung von Skorbut gebraut, wobei die Methoden der Ureinwohner wie die der Huronen mit den Brautechniken der Siedler verschmolzen. Zu den historischen Marken gehören Molson, Keith, Carling, Sleemann und Labatt.

Heute ist die Szene ist geprägt von Vielfalt und Experimentierfreude. Ob belgisch inspirierte Weißbiere, Stouts mit Kokosnuss und Vanille oder hopfenbetonte IPAs – die Brauereien setzen auf regionale Zutaten wie Ahornsirup, Wildbeeren oder Fichtenspitzen (bière à l’épinette) und kreieren damit Biere, die weit über ein klassisches Lager hinausgehen. Zu den bekanntesten Namen zählen Dieu du Ciel!, Unibroue, Le Trou du Diable sowie La Barberie. Besonders Montréal gilt als Hotspot, wo Lokale wie Le Saint Bock mit Hunderten Biersorten oder Vices & Versa mit über 30 Zapfhähnen die enorme Bandbreite der Szene zeigen.